Wasserfall-Modell

Dieser Abschnitt stellt das Vorgehen nach dem Wasserfall-Modell vor. Es beschreibt, wie im Wasserfall-Modell mit Anforderungen umgegangen wird. Das Wasserfall-Modell ist ausgewählt worden, da es hier als starker Kontrast zu agilen Methoden verwendet werden soll.

Abbildung 1 zeigt das Wasserfall-Modell. Es ist ein lineares Vorgehensmodell in der Softwareentwicklung, bei dem der Softwareentwicklungsprozess in einzelnen, festen Phasen organisiert wird. Dabei gelten die Phasenergebnisse immer als bindende Vorgaben für die nächste Phase. Jede Phase muss komplett abgeschlossen sein, damit die Nächste beginnen kann. Dazu produziert jede Phase als Ergebnis ein ausführliches Dokument oder Programm.

Im Grundmodell sind keine Rücksprünge in vorherige Phasen möglich. Abbildung 2 zeigt das erweiterte Wasserfallmodell nach Royce – hier sind Rücksprünge erlaubt. Allerdings müssen dabei meist alle Arbeiten der Phase, aus der zurückgesprungen wird, verworfen werden.

Das Wasserfallmodell stellt den Ablauf zu einem realen, physischen Projekt dar, beispielsweise einem Hausbau. Zu Beginn wird das Fundament gelegt, danach die Mauern gezogen, am Ende das Dach aufgesetzt. Hierbei wird deutlich: Je später eine fehlerhafte Spezifikation erkannt wird, desto schwieriger und teurer ist die Behebung. Sollten in späten Phasen falsche Annahmen oder Mehrdeutigkeiten während der Analysephase bekannt werden, ist oft ein Projektabbruch die einzig verbleibende Möglichkeit zur Schadensbegrenzung. Dies ist insbesondere bei umfangreicheren Entwicklungen problematisch, da ein kompletter Durchlauf des Modells in diesen Fällen einige Jahre dauern kann. Spätestens mit Abschluss der Entwurfsphase kann kaum noch auf geänderte Umweltanforderungen reagiert werden.

In Bezug auf Flexibilität von Anforderungen lässt sich das Wasserfallmodell wie folgt kategorisieren:

  • Die einzelnen Phasen müssen klar voneinander abzugrenzen sein und dürfen nur sequentiell nacheinander bearbeitet werden.
  • Durch die sehr eingeschränkte Möglichkeit, die Ergebnisse bereits abgeschlossener Phasen nachträglich zu ändern, ist eine geringe Flexibilität auf geänderte Anforderungen möglich. Dies ist insbesondere bei langlaufenden Projekten, bei den sich Anforderungen und auch Rahmenbedingungen ändern, problematisch.
  • Das Modell ist »dokumentgetrieben«, es legt großen Wert auf die Dokumentation der Vorgänge und Ergebnisse. Dies kann einen großen Aufwand darstellen.

Fazit zum Einsatz des Wasserfall-Modells

Das Wasserfallmodell wird allgemein dort vorteilhaft angewendet, wo sich Anforderungen, Leistungen und Abläufe in der Planungsphase relativ präzise beschreiben lassen und sich auch im Laufe der Entwicklung wenig ändern. Ändern sich die Anforderungen in einer der späteren Phasen, erhält man entweder ein Produkt, das diesen Anforderungen nicht genügt oder die gesamte Entwicklung muss aufgegeben und komplett neu begonnen werden.

Dies steht im Gegensatz zu modernen Entwicklungen in der EDV sowie der Wirtschaft allgemein, in der flexible Reaktionen auf sich schnell ändernde Umgebungsvariablen sehr oft essentiell und überlebenswichtig sind.

Flexibilität ist in manchen Bereichen bereits kein Wettbewerbsvorteil mehr, sondern obligatorisch.

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