Begriffe
Projekt
Generell wird unter einem Projekt ein Vorgang mit den folgenden Hauptmerkmalen verstanden:
- Einmaligkeit für das Unternehmen (muss nicht Erstmaligkeit bedeuten)
- Zusammensetzung aus Teilaufgaben
- Beteiligung von Personen und/oder Stellen unterschiedlicher Fachrichtungen (»Interdisziplinär«)
- Teamarbeit
- Konkurrieren mit anderen Projekten um Personal- und Sachmittel
- Mindestdauer bzw. Mindestaufwand
- Höchstdauer bzw. Höchstaufwand
- Definierter Anfang und definiertes Ende (=Ziel)
Projekte haben Produkte als Ergebnis.
System
Definition gemäß [Stahlknecht2002]:
Als System definiert die Organisationstheorie »eine Menge von Elementen, die in einem Wirkzusammenhang stehen«, d.h. an einer gemeinsamen Aufgabe zusammenwirken und sich dabei gegenseitig beeinflussen.
Prozess
Prozesse stellen Funktionen des Systems dar, die die im System fließenden Daten manipulieren. Ein Prozess konsumiert die Eingabedaten, verarbeitet diese Daten und gibt das Ergebnis der Verarbeitung in einer Form von Ausgabedaten weiter. Ein Prozess beschreibt somit einen Teil eines Systems, der Eingaben in Ausgaben transformiert. Prozesse können verfeinert werden, d.h. durch ein entsprechendes Datenflussdiagramm beschrieben werden.
Stakeholder
Diese Definition beschreibt den Begriff Stakeholder im Kontext des Anforderungsmanagements.
Definition nach [RobRob2006]:
»Ein Stakeholder ist eine Person oder eine Organisation, die ein potenzielles Interesse an dem zukünftigen System hat und somit in der Regel auch Anforderungen an das System stellt. Eine Person kann dabei die Interessen von mehreren Personen oder Organisationen vertreten, d.h. mehrere Rollen einnehmen«.
Anforderung
Der Begriff »Anforderung« wird in diesem Tutorial häufig verwendet und bedarf einer Definition. Nach [Pohl2007] ist der Begriff »Anforderung« (engl. requirement) wie folgt definiert:
- Eine Bedingung oder Eigenschaft, die ein System oder eine Person benötigt, um ein Problem zu lösen oder ein Ziel zu erreichen.
- Eine Bedingung oder Eigenschaft, die ein System oder eine Systemkomponente aufweisen muss, um einen Vertrag zu erfüllen oder einem Standard, einer Spezifikation oder einem anderen formell auferlegten Dokument zu genügen.
- Eine dokumentierte Repräsentation einer Bedingung oder Eigenschaft wie in 1. oder 2. definiert.
Anforderungen beschreiben somit die Bedürfnisse von Benutzern an ein System, aber auch Eigenschaften, die durch Rahmenbedingungen, z. B. gesetzliche Regelungen, definiert sind.
Aus Position 3 der Definition folgt, dass sowohl nicht dokumentierte Bedingungen und Eigenschaften im Sinne von Position 1 und 2 als auch deren dokumentierte Form als Anforderung bezeichnet werden.
Anforderungsarten
Es werden drei unterschiedliche Arten von Anforderungen unterschieden:
Funktionale Anforderungen
Eine funktionale Anforderung definiert eine vom System, bzw. von einer Systemkomponente, bereitzustellende Funktion oder einen bereitzustellenden Service. Als Benutzeranforderung kann eine funktionale Anforderung sehr allgemein beschrieben sein. Als Bestandteil einer Spezifikation beschreibt eine funktionale Anforderung detailliert Eingaben und Ausgaben sowie bekannte Ausnahmen.
Qualitätsanforderungen
Eine Qualitätsanforderung definiert eine qualitative Eigenschaft des gesamten Systems, einer Systemkomponente oder einer Funktion.
Rahmenbedingungen
Eine Rahmenbedingung ist eine organisatorische oder technologische Anforderung, die die Art und Weise einschränkt, wie ein Produkt entwickelt wird.
In der Literatur findet sich meist die Aufteilung in funktionale und nichtfunktionale Anforderungen. Die Aufteilung in die oben angegebenen drei Gruppen wird laut Pohl verwendet, da sich die nichtfunktionalen Anforderungen entweder als unterspezifizierte funktionale Anforderungen oder als Qualitätsanforderungen herausstellen. Somit sind diese dann wieder den funktionalen Anforderungen oder den Qualitätsanforderungen zuzuordnen.
Anforderungsanalyse und -management
Die Anforderungsanalyse ist eine Tätigkeit oder ein Abschnitt in einem Projekt.
In der Anforderungsanalyse werden die Anforderungen an ein System oder eine Komponente analysiert und festgehalten.
Die Anforderungsanalyse kann als eigenständige Phase in einem Projekt durchgeführt werden; somit stehen zu Beginn einer weiteren Phase alle für das Projekt relevanten Anforderungen fest. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Anforderungsanalyse phasenorientiert inkrementell parallel zu weiteren Phasen durchzuführen.
Die Vorteile, aber auch die Nachteile, die jede dieser Durchführungsarten mit sich bringt, werden im Abschnitt »Umgang mit Anforderungen« näher erläutert.
Jegliche Verwaltung, Änderung von und der Umgang mit Anforderungen werden im Kontext dieses Textes als »Anforderungsmanagement« definiert.
Work Breakdown Structure
Die Work Breakdown Structure (WBS) ist eine auslieferungsorientierte, hierarchische Zerlegung von Arbeitspaketen des Projektteams, die erforderlich sind, um die Projektziele und die vereinbarten Auslieferungsgegenstände zu erreichen.
Die WBS organisiert und definiert den gesamten Scope (Aufgabenbereiche) des Projektes. Die WBS unterteilt die Bestandteile des Projektes in kleinere, besser organisierbare Arbeitspakete. Je tiefer die Einträge in der Hierarchie der WBS sind, desto detaillierter werden diese beschrieben. Die Einträge der untersten Ebene werden Arbeitspakete genannt, die genau geplant, geschätzt, überwacht und kontrolliert werden können.




Wilfried schrieb am 26. November 2010 um 13:30
“Eine Qualitätsanforderung definiert eine qualitative Eigenschaft des gesamten Systems, einer Systemkomponente oder einer Funktion.”
Diese Erklärung ist nicht sehr erhellend
Prinzipiell wird hier das Wort durch sich selbst erklärt, eine ausführlichere Erläuterung wäre sehr hilfreich.
Götz Müller schrieb am 7. Dezember 2010 um 19:47
Zur Definition des Stakeholders: Nur das Interesse und potentielle Anforderungen können speziell zu Beginn den Personenkreis zu sehr einschränken. Mit Stakeholdern, die am Anfang nicht erkannt werden, gibt es dann im Projektverlauf oft Schwierigkeiten. Mir gefällt deshalb die GPM/IPMA-Definition besser: Stakeholder sind die Personen, die am Projektverlauf und/oder Ergebnis ein Interesse haben, am Projektverlauf/-ergebnis beteiligt sind, davon betroffen sind oder sonstigen Einfluss darauf haben. Diese Definition ist umfassender und weitet den persönlichen Horizont. Wie schon gesagt, es gibt fast nichts schlimmeres, als Stakeholder, die übersehen werden.
Mehr dazu z.B. in meinem Blog
http://www.nlp-pm.de/2010/10/24/stakeholder-management-und-nlp/